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Mentalitäten

Von liebenswerten Macken und nervigen Marotten

Teil 2: Schweden lockt mit Ruhe und Entschleunigung

Schwedische Arbeiter bei der Kaffeepause.

Diese Charakterzüge und Gepflogenheiten, wie sie Delia Kübeck beschreibt, machen Land und Leute sehr beliebt. Urlauber fühlen sich meist wohl: gastfreundlich begrüßt und hilfsbereit aufgenommen. Zudem ist die Lebensqualität sehr hoch. Schweden ist dünn besiedelt, hat viel Natur, bietet Sicherheit und produziert wenig negative Schlagzeilen – das Patentrezept, um in die Herzen der Deutschen zu gelangen, wie das Marktforschungsinstituts Splendid Research aus Hamburg herausgefunden hat. Und diese wunderbare Ruhe. Liest man in den sozialen Netzwerken mit, wie die Urlauber ins Schwärmen geraten, fällt unweigerlich irgendwann der Begriff „Entschleunigung“:

  • Wunderschön. Das strahlt Ruhe aus und entschleunigt mich.
  • Schweden entschleunigt total - ab morgen geht es wieder auf Arbeit und da ist alles wieder weg.
  • Man fühlt sich wohler, weniger gestresst, entschleunigt. Auch auf der Landstraße, wir haben hier so viele Rehe, Dachse, Eichhörnchen, Elche, so dass ich ganz sicher zur Schnarchnase geworden bin.
  • Ich kenne kein Land, in dem man so schnell entschleunigt wird, wie es in Schweden der Fall ist.
  • Wir waren letztes Jahr das erste Mal in Schweden (Dalarna). Niemals zuvor hat mich ein Urlaub derart entschleunigt. Ganz besonders diese unendliche Ruhe.

Dies muss für viele Deutsche klingen, als sei es zu schön, um wahr zu sein. Wie schreibt Delia Kübeck noch mal? „Verglichen mit dem aufreibenden Leben in Kontinentaleuropa, wo Auseinandersetzungen, Stress und der Zwang zur ständigen Selbstbehauptung zum Alltag gehören.“ Ja, da ist viel Wahres dran. Auch wir haben uns ein ruhigeres und naturverbundeneres Leben gewünscht. Und auch andere wollen mehr davon. Visit Sweden, die offizielle schwedische Tourismuswebseite, hat diese Sehnsucht 2017 zusätzlich geschürt. Fünf Personen mit besonders stressigen Berufen durften 72 Stunden lang den naturnahen Lebensstil der Schweden erleben, während Stressforscher den Effekt auf die Gesundheit maßen. Die Ergebnisse waren signifikant. Alle Teilnehmer wiesen einen niedrigeren systolischen Blutdruck auf. Außerdem hatten sie einen ruhigeren Puls, bemerkten ein höheres Wohlbefinden und waren kreativer. Und vielleicht sind es genau solche Momente, in denen ein Gedanke heranreift: Wie wäre es, dauerhaft hier zu leben?

Wer sich dafür entscheidet, wird immer wieder mit dieser Entschleunigung in Berührung kommen. Nicht nur auf den Straßen, sondern in sämtlichen Lebensbereichen – im Job beispielsweise. Das kommt insbesondere bei deutschen Arbeitnehmern gut an, die oftmals anderes gewohnt sind. Wer arbeitet schon gerne bis zum Umfallen? Viele Deutsche, die in Schweden arbeiten, berichten von weniger Hektik, geregelten Arbeitszeiten und kollegialem Miteinander auf Augenhöhe. Auch die Angewohnheit der Schweden, ihre Arbeit mehrmals täglich für eine kleine fikapaus und einen Plausch mit den Kollegen zu unterbrechen, wird zwar anfangs noch etwas belustigt beäugt. Doch sobald klar wird, dass die Arbeit trotzdem erledigt wird, freunden sich die Meisten sehr schnell mit der Tradition an.

Nächstes Mal:
Teil 3: Wenn die Begeisterung ins Kippen gerät

Über die Autorin: Inka R. Stonjek

Inka ist 2015 mit ihrem Mann nach Schweden ausgewandert. Den Job hat die Journalistin mitgenommen: Schreiben lässt sich von überall. Meistens geht es um Ernährung, oft um Gesundheit, zunehmend um Schweden.

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