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Mutter sein in Schweden

Mutterschutz (& Elternzeit)

Eine schwangere Frau arbeitet am PC.

In Schweden dürfen Frauen vor und nach der Geburt ebenso der Arbeit fern bleiben wie in Deutschland auch. Dass dieser komplette Zeitraum umgangssprachlich föräldraledighet heißt und nicht zwischen Mutterschutz und Elternzeit unterschieden wird, führt bei Deutschen jedoch oftmals zu Missverständnissen. 

Die deutschen Begriffe sind jahrzehntelang gelernt und tief verankert: Einige Wochen vor der Geburt gehen berufstätige Frauen in Mutterschutz und setzen diesen Zeitraum, in dem sie der Arbeit fernbleiben dürfen, mit der mehrmonatigen Elternzeit fort. 

In Schweden ist das ähnlich. Aber: „In Schweden wird in der Praxis nicht zwischen Mutterschutz und Elternzeit unterschieden“, erklärt der Praxisleitfaden „Arbeitsrecht in Schweden“, den die Deutsch-Schwedische Handelskammer 2015 herausgebracht hat. Umgangssprachlich werden beide Zeiträume nämlich unter dem Begriff föräldraledighet (Elternzeit) zusammengefasst. Vielleicht ist dies der Grund, warum sich in so vielen Internetforen hartnäckig das Gerücht hält, dass es in Schweden keinen Mutterschutz gibt. Ein klassisches Missverständnis, hervorgegangen aus einem Übersetzungsproblem. 

Dabei kennt das schwedische föräldraledighetslag (1995:584) den Begriff „Mutterschutz“ sehr wohl. Er beschreibt den Zeitraum von sieben Wochen vor bis sieben Wochen nach der Geburt eines Kindes. In Paragraph 4 steht: „Ein weiblicher Arbeitnehmer hat das Recht auf eine zusammenhängende Freizeit im Zusammenhang mit der Geburt von mindestens sieben Wochen vor bis sieben Wochen nach dem berechneten Entbindungstermin. Hat er nicht ohnehin schon aus irgendeinem Grund frei, sollen zwei Wochen Pause vor und zwei Wochen nach der Geburt obligatorisch sein.“

In Schweden dürfen werdende Mütter also genauso vor dem errechneten Geburtstermin der Arbeit fern bleiben, wie in Deutschland auch. Einen Unterschied gibt es allerdings zu Deutschland. Sie müssen für diesen Zeitraum ihren Urlaub aufbrauchen oder schon ihre Elterngeldtage anbrechen. Viele Schwedinnen heben sich diese allerdings lieber für den Zeitraum nach der Geburt auf und nehmen daher nur die Pflichtpause von 14 Tagen wahr. Das ist möglich, weil sie ebenso ein Recht auf andere, ihrer körperlichen Verfassung angepasste Tätigkeiten haben wie Schwangere in Deutschland auch. Wer der Arbeit aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr gewachsen ist, wird krankgeschrieben und bekommt ein Krankengeld.

Über die Autorin: Inka R. Stonjek

Inka ist 2015 mit ihrem Mann nach Schweden ausgewandert. Den Job hat die Journalistin mitgenommen: Schreiben lässt sich von überall. Meistens geht es um Ernährung, oft um Gesundheit, zunehmend um Schweden.

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