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Mutter sein in Schweden

Geburtsvorbereitungskurse

Hebamme im Gespräch mit einer Schwangeren

Wie lange dauert eine Geburt? Ist sie schmerzhaft? Was passiert danach? Und vor allem: Wie kann ich mich selbst darauf vorbereiten? Für Fragen wie diese sind Geburtsvorbereitungskurse da – auch in Schweden.

Hebammen sind Ansprechpartnerinnen und Vertraute für alle Fragen und Sorgen rund um Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Stillen. Sie untersuchen, leisten Geburtshilfe und bereiten die werdenden Eltern in Vorbereitungskursen auf den neuen Lebensabschnitt vor. In Schweden sind sie einem Krankenhaus oder einer Vårdcentral angeschlossen, weshalb die Inhalte solcher Kurse landesweit variieren können. Schweden besteht aus 21 Provinzen (län), deren Landtage (landsting) und Gemeinden für die Umsetzung der Gesundheitspolitik innerhalb des staatlich vorgegeben Rahmens zuständig sind. Niedergelassen und selbstständig arbeiten schwedische Hebammen üblicherweise nicht.

Eines haben die Geburtsvorbereitungskurse allerdings landesweit gemeinsam: Eine Dauer über 14 Stunden, wie sie in Deutschland von den Krankenkassen übernommen wird, ist eher die Ausnahme. Die Schweden sind zackig unterwegs: Manche Vårdcentralen vermitteln ihre Inhalte beispielsweise in Vorlesungen - zwei Termine á 1,5 Stunden, anschließende Fragerunde, fertig. Andere sind ganzheitlicher unterwegs, zeigen Atem- und Entspannungsübungen zur Geburtserleichterung und versuchen, das Vertrauen der Frauen in die Fähigkeit ihres eigenen Körpers zu stärken. Das große Spektrum an zusätzlichen Serviceleistungen wie Yoga, Akupunktur, Homöopathie, Schüssler-Salze oder Aromatherapie, was bei vielen deutschen Hebammen mittlerweile beinahe schon zum Standard gehört, ist ebenfalls eher unüblich. Das hat damit zu tun, dass die Staatliche Auswertungsstelle für medizinisch-technologische Versorgung so manche alternative Heilmethode kritisch beurteilt. Hebammen dürften nur empfehlen, was wissenschaftlich abgesichert ist. Das heißt allerdings nicht, dass Schwangeren all dies verwehrt bleiben muss. Wer interessiert ist, kümmert sich selbst darum.

Grundsätzlich ist das Angebot an Gesundheitsdienstleistungen in den Städten deutlich vielfältiger als auf dem Land – Folgen der Landflucht, mit denen auch Schweden zu kämpfen hat. Und so werden in dünn besiedelten Regionen genauso Entbindungsstationen geschlossen wie in Deutschland auch. Im Februar 2017 hat es Sollefteå erwischt, eine kleine Stadt in der nördlichen Provinz Västernorrland. Zwei Hebammen haben darauf reagiert und bieten seitdem Notfall-Kurse an, falls es die Mutter nicht rechtzeitig in das nächste Krankenhaus schaffen sollte und im Auto entbinden muss. „Angst nehmen und Hilfe zur Selbsthilfe leisten“, zitierte der schwedische Sender SVT die Hebamme Stina Näslund auf die Frage, was die beiden Frauen motiviert. Kurz und knapp auf den Punkt gebracht. Das beschreibt die Schweden und ihren Umgang mit dem natürlichen Prozess von Schwangerschaft und Geburt sehr gut.

Über die Autorin: Inka R. Stonjek

Inka ist 2015 mit ihrem Mann nach Schweden ausgewandert. Den Job hat die Journalistin mitgenommen: Schreiben lässt sich von überall. Meistens geht es um Ernährung, oft um Gesundheit, zunehmend um Schweden.

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