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Mutter sein in Schweden

Früherkennungsuntersuchungen bei Kindern

Kinderärztin hört das Herz eines Babys ab und muntert es nebenbei mit einem Frosch auf.

Alle Kinder in den UN-Mitgliedsnationen haben ein Recht auf das erreichbare Höchstmaß an Gesundheit. Schweden hat seine Maßnahmen im barnhälsovårdsprogram fixiert. Abgesehen von kleineren Unterschieden wird gemessen, gewogen und gepiekt wie in Deutschland auch.

Artikel 24 der Kinderrechtskonvention besagt unter anderem, dass sich die Vertragsstaaten bemühen, die Verwirklichung dieses Rechts sicherzustellen und Maßnahmen treffen, damit alle Kinder die notwendige ärztliche Hilfe und Gesundheitsfürsorge erhalten. Untersuchungen zur Früherkennung von Krankheiten gehören dazu.

In Deutschland hat der Gemeinsame Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen die Maßnahmen festgelegt. Die U-Untersuchungen (U1-U9) begleiten das Kind von der Geburt bis zu einem Alter von etwa 5,5 Jahren. Mit zwölf bis 14 Jahren haben Teenager Anspruch auf die J1, um nach längerer Zeit erneut den Gesundheitszustand, den Impfstatus und die Entwicklungsstand checken zu lassen. Diese elf Termine gehören zu den Pflichtleistungen der Krankenkassen. Drei weitere Untersuchungstermine werden zusätzlich von Kinder- und Jugendärzten empfohlen, bislang aber noch nicht von allen Krankenkassen übernommen: die U10 und U11, mit denen Eltern die Lücke zwischen U9 und J1 schließen können, sowie die J2, die mit 16-17 Jahren den Abschluss bildet.

Schweden hat seine Maßnahmen im landesweit geltenden barnhälsovårdsprogram fixiert, zu dem auch die hälsoövervakning („Gesundheitsüberwachung“) als schwedisches Pendant zu den deutschen Früherkennungsuntersuchungen gehört. Vorgesehen sind 13 Termine von der Geburt bis zu einem Alter von fünf Jahren, in denen die körperliche, psychische und soziale Entwicklung – ebenfalls kostenlos - auf dem Prüfstand steht. Alle Untersuchungsergebnisse werden zentral in der digitalen Krankenakte erfasst, auf die alle relevanten Akteure des Gesundheitssystems zugreifen können. Das macht ein „Gelbes Heft“ beziehungsweise gesonderte Dokumentationsbögen wie in Deutschland überflüssig.

Eine Besonderheit Schwedens ist, dass nicht jeder Termin bei einem Kinderarzt stattfindet. Stattdessen arbeiten Ärzte, Krankenschwestern und andere medizinische Fachkräfte im Team, um Synergien zwischen den Berufsgruppen zu schaffen. Eine weitere Besonderheit sind Hausbesuche. So kommt die Krankenschwester für den Termin in der ersten Lebenswoche (entspricht U3) nach Hause, damit er im ersten Trubel nicht untergeht, außerdem zu dem mit acht Monaten (entspricht U5/6). Viele Babys werden dann mobil, so dass die Krankenschwester Tipps für ein kindersicheres Zuhause geben kann.

Über die Autorin: Inka R. Stonjek

Inka ist 2015 mit ihrem Mann nach Schweden ausgewandert. Den Job hat die Journalistin mitgenommen: Schreiben lässt sich von überall. Meistens geht es um Ernährung, oft um Gesundheit, zunehmend um Schweden.

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