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Die schwedische Schule

Entwicklungsgespräche und -pläne

Eine Mutter und ihr Kind sitzen gemeinsam mit dem Lehrer am Tisch.

Die individuelle Förderung jedes einzelnen Schülers wird in Schweden sehr groß geschrieben. Dies zeigt sich unter anderem an zwei Elementen der schwedischen Schule, den Entwicklungsgesprächen (utvecklingssamtal) und den individuellen Entwicklungsplänen (individuella utvecklingsplaner – IUP).

Was hat es damit auf sich?

In den Jahrgangsstufen 1 bis 5, in denen es noch keine Noten gibt, erstellt der Klassenlehrer oder Mentor einmal im Jahr für jeden seiner Schüler einen individuellen Entwicklungsplan. Ab der 6. Klasse ist dies nicht mehr verpflichtend, viele Schulen machen es trotzdem noch, vielleicht auch in einer etwas abgespeckten Version.

Der Entwicklungsplan enthält zwei Teile. Der eine Teil ist deskriptiv: Was kann der Schüler? Wo hat er noch Schwächen? Wie verhält er sich im Unterricht und seinen Mitschülern gegenüber? Dies ist in etwa das, was wir auch von deutschen Grundschulzeugnissen kennen. Der zweite Teil hingegen beschreibt, welche Einsätze vonseiten der Schule, des Elternhauses und des Schülers vonnöten sind, damit er auch in Zukunft die Ziele erreicht oder er bestehende Lücken schließen kann. Die Entwicklungspläne werden Jahr für Jahr fortgeführt, sodass im Jahr darauf überprüft werden kann, ob die festgelegten Ziele erreicht worden sind oder nicht.

Im Entwicklungsgespräch, welches mindestens einmal pro Halbjahr, bei Wunsch auch öfter, zwischen Klassenlehrer / Mentor, Eltern und Schüler geführt wird, stellt der Entwicklungsplan dann die Gesprächsgrundlage dar. Gemeinsam wird die soziale und schulische Entwicklung des Kindes besprochen, zusammen überlegt man, welche Ziele anvisiert werden und wie man sie erreichen will.

Ein Schüler erreicht beispielsweise im Fach Mathematik nicht die Lernziele. Die Lehrer stellen fest, dass der Schüler im Unterricht schnell überfordert ist und nicht mehr mitkommt. Er braucht spezielle Unterstützung. Nun kann die Schule mit den Eltern und dem Schüler überlegen, ob es sinnvoll sein könnte, dass ein zusätzlicher Pädagoge in einer oder zwei Mathestunden pro Woche anwesend ist und dem Schüler hilft. Nach ein paar Wochen soll dann überprüft werden, ob die Maßnahme etwas gebracht hat oder nicht.

Wer sein Kind also in Schweden auf die Schule schickt, muss damit rechnen, dass sich die Lehrer deutlich intensiver jedem einzelnen Kind widmen, als man das aus Deutschland vielleicht gewöhnt ist. Eltern müssen sich aber auch darauf einstellen, dass man sich vor Elternabenden nicht drücken kann. Die zwei Entwicklungsgespräche sind Pflicht.

Über den Autoren: Johannes Möhler

Johannes Möhler hat in Schweden studiert, als Lehrer gearbeitet und über das schwedische Schulsystem promoviert. 

Seit 2017 betreibt er das Portal Elchkuss – ein Blog für Schwedenliebhaber, Urlauber und Auswanderer.

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